Kuratierter Real World Sex: Make love not Porn von Cindy Gallop

Kuratierter Real World Sex? Mit was für einem Hipster-Scheiß kommt die Alte von Lvstprinzip denn jetzt schon wieder um die Ecke? Fair enough, eine komplett berechtigte Frage! Wenn es demnächst ein neues Unwort des Jahres gibt, nominiere ich auf jeden Fall das komplett überstrapazierte KURATIEREN. Wir kuratieren unseren Twitterfeed, unseren Freundeskreis, unseren Kühlschrankinhalt…wann genau ist unser Leben eigentlich Kunst geworden, die es so konsequent zu exponieren und ins rechte Licht zu rücken gilt? Mit welchem neuen merkwürdigen Selbstverständnis kuratieren wir da unsere eigene Existenz? Und wer soll eigentlich zu all den Ego-Vernissagen kommen und unsere Kuratoren-Erfolge beklatschen?

Anyways, was ich eigentlich sagen wollte! Wann immer ich mit Freunden oder noch besser, komplett Fremden, über Porno Geschmacksfragen, Sex mit artgerechter Menschenhaltung oder Lust und Gewissen diskutiere, landen wir früher oder später beim Thema Amateur Porno.

Mögen echt viele. Denn da weiß man ja quasi, was man bekommt, oder? Freiwilligkeit, unverfälschten Spaß und jede Menge ungestellte jute Laune.

Darauf sag ich meistens mit oberlehrerhaft auf die Nasenspitze geschobene Nerdbrille

Hm, na hoffentlich und außerdem Ja, aber…

Weil: von außen sind die Produktionsbedingungen oft nicht einsehbar. Nicht alles, was witzisch aussieht, hat sich beim Dreh auch witzisch angefühlt. Auch bei vermeintlichem Amateur Porno ist oft viel Geld im Spiel. Und wie sicher kannst du dir sein, dass das vielleicht einfach nur schön für und mit Schatzi gedrehte Privatvideo wirklich in beiderseitigem Einverständnis hochgeladen wird? Revenge Porn ist ein ganz schön uncooles Thema, über das ich auch schon mal für Cosmopolitan geschrieben habe.

Zum Glück gibt es Cindy Gallop! Die ist so ziemlich alles, was ich mit Mitte 50 bitte auch (noch) sein will: superhot, supersmart, Jetsetterin, Startup Ikone, Feministin, Besitzerin eines komplett schwarzen Apartments in NYC, TED Speakerin, trägt die Hälfte der Zeit Pythonleder und vögelt am liebsten Typen, die halb so alt sind wie sie. Dabei fiel ihr irgendwann auf: die jungen Leute heutzutage ficken ja gar nicht mehr so richtig entspannt. Die spielen oft nur noch Pornos nach. Und das ist ja oft auch kein Wunder, woher sollen sie´s schließlich besser wissen?

Zack Bumm so gehts ja nicht, hat sich Cindy gedacht, und kurzerhand Make Love Not Porn gelauncht. Eine Plattform für, ja ganz genau: kuratierten Real World Sex! Denn nichts ist so hot wie die Realität.

Realistischer Sex ist chaotisch. Es belustigt mich immer, wenn die Leute sagen, Pornos seien “schmutzig”. Tatsächlich aber ist es anders: Pornografie macht Sex steril. In Pornos hat niemand Haare, man sieht nie jemanden tatsächlich Gleitgel benutzen, auch wenn Unmengen davon am Set benutzt werden. Man sieht nie die unkoordinierten Momente dazwischen. Wir wollen Sachen sehen wie Sex während der Periode, Dinge die es im echten Leben gibt.Daher sagen wir den Leuten, sie sollen dem Sex Kontext geben: Schaltet die Kamera so früh wie möglich an und lasst sie so lang wie möglich nach dem Sex noch laufen. Denn echter Sex hat eine Hintergrundgeschichte. (Quelle: Futurezone)

Das Prinzip hinter MLNP ist wesentlich mehr als die übliche Porno Online Streaming Nummer: Shared Value, Shared Action, Shared Profit. Zu deutsch: du bezahlst für die Filme, die du streamen willst. Gleichzeitig kannst du auch Geld damit verdienen, wenn du selbst Videos hochlädst. Dabei versucht MLNP nach eigenen Angaben noch nicht mal, mit klassischer Pornografie zu konkurrieren,  der sexy Aufklärungsgedanke steht klar im Vordergrund: Jeder will wissen, was alle anderen wirklich im Bett machen – und niemand weiß es. Wir zeigen es. Ein junger Mann, eines unserer Mitglieder hat einmal gemeint: Wenn ich Pornos schaue, will ich wichsen. Wenn ich eure Videos schaue, will ich Sex haben. (Quelle: Futurezone)

Und das find ich so schön, dass ich da jetzt erst mal kurz drauf klar kommen muss.

Ein Cindy-Zitat geht noch, oder?

Pornografie hat noch nicht einmal damit begonnen, die weibliche Lust am Sex wirklich zu nutzen. Und Männer haben noch gar nicht begriffen, wie scharf und erregend sie das finden würden. Weibliche Pornografen machen wirklich interessante Pornos und wenn mehr Männer damit in Berührung kämen, würden sie sagen: Fuck, das ist heiß. (Quelle: Futurezone)

Ja, auf jeden, oder? Go Cindy! Go Make Love Not Porn! Go #realworldsex, go Akwardness, go Kondomgefriemel, Lachanfälle und ewig am neuen Sextoy rumhantieren. Vielfalt, Realität und Spaß bei der Sache. Genau das wollen wir sehen.

 Photo by Aaron Tsuru (c) Tsurufoto.com

Theresa ist Journalistin, Digitalnomadin und die Gründerin von Lvstprinzip. Sie mag Hendricks Tonic mit viel Gurke und selbstironische Männer mit Bart.

Schreibe den ersten Kommentar