Na, was bist du nun? Ein Text von Sara

Na? Was Bist du nun? Lesbisch? Bi? Oder hetero? Ist doch eine ganz einfache Frage.
Ich hab diese Fragerei satt – diese Kategorisierung – ich brauche das nicht und ich will das auch nicht. Man kann nicht einfach alles und jeden in eine beschissene Schublade stecken und die dann zumachen, als wäre das ein „du hast dich jetzt entschieden. Es gibt kein Zurück mehr. Du kannst jetzt nicht so einfach sagen das du was anderes bist.“ Ich hab es satt!

Gefühlt möchte ich jedes Mal, wenn mich das jemand fragt, genauso antworten. Ich möchte einfach mal sagen, was ich wirklich fühle. Einfach mal ausrasten. Doch wenn ich das täte, würde mir nur jemand von der Seite kommen – „Entspann dich mal. Ist ja nur eine ganz einfache Frage.“ –  stattdessen spiele ich entweder das Spielchen mit und rege mich innerlich darüber auf oder ich sag einfach…

…Ich bin ein Mensch.

Diese Antwort wäre wohl lustig. Doch das würde allerdings die, die gefragt haben nur zusätzlich dazu anregen, weiter zu fragen. Zu denken, ich wüsste nicht, wovon sie sprechen würden. – Du weißt schon, was ich meine? – Ich habe also nicht sehr viele Möglichkeiten.

Das einzige, was die Frage was ich bin in Hinsicht auf die Sexualität beantworten könnte, wäre nur ein langes ausführliches Gespräch, wie ich angefangen habe, wo ich jetzt stehe und was ich gegenüber den Personen, die ich kenne, fühle. Denn ist es nicht so, dass wir wirklich zu jedem und allem eine tiefere Beziehung aufbauen können, gäbe es da nicht Leute die denken – Mann und Frau, das war´s, nichts dazwischen, kein Wechsel der Geschlechter und schon gar nicht das miteinander lieben zwischen dem gleichem Geschlecht– gäbe es diese Gedanken nicht, könnte jeder alles sein und jeder jeden lieben.
Da gibt es zwar immer noch den Gedanken das jemand anderes schlechter oder besser ist nur weil, diese Person dieses oder jenes mag oder Mitglied eine Gruppe ist, egal ob von der Hautfarbe her, der Religion oder der Klasse her. Wir können solche Gedanken leider nicht aus der Welt schaffen. Und vielleicht kämen stattdessen andere Gedanken, die nur noch viel dümmer oder grausamer sein werden. Denn es ist normal, dass sich die Menschen vor dem Unbekannten fürchten.

Wir wissen auch nicht was passieren würde, wenn die Menschen diese Furcht nicht mehr hätten. Das einzige was wir tun können, ist auf der Grundlage die wir jetzt haben, eine neue Welt zu bauen. Und vielleicht gibt es diese Gedanken dann nicht mehr.

Somit muss auch ich mit der Situation und der Frage umgehen können. Denn sie wird immer wieder kommen und ich werde sie immer wieder beantworten können müssen. Ich verstehe nicht wie die Menschen um mich herum die Frage so einfach beantworten können. Es ist mir ein Rätsel.

Einfachheit oder auch schlichte Eleganz – das ist der Schlüssel, nach dem ich mich so sehr sehne. Doch ich werde es erst erlernen müssen, so wie viele anderen auch. Wenn man die Antwort einfach hält, denn es ist praktisch gesehen nicht sehr schlau, vor einer praktisch vollkommen fremden Person sein ganzes Leben zu offenbaren, nur um die Frage zu beantworten was ich bin. Doch die Einfachheit besteht nur aus ein paar oder gar einem einzigem Wort.

Lesbisch – Schwul – Bisexuell – Transgender – Queer – Pansexuell – das sind Wörter, die man benutzten kann. Doch es sind nur Wörter, die einen bestimmten Typus beschreiben. Diese Wörter können nicht wirklich beschreiben in welcher Lage man sich gerade befindet. Auf einige werden diese Typen sicher zutreffen doch jeder Mensch ist anders. Nehmen wir so den Menschen nicht gerade die Chance, sich selber zu finden? – Sich selber und nicht irgendeinen Typus.

Es kann allerdings sein, dass ich über alles einfach nur zu viel nachdenke und somit alles überdenke…allerdings kann das auch die Meinung einiger anderer sein, wie zum Beispiel die einer guten Freundin.

Sara? Was Bist du? – Ich bin sechzehn Jahre alt und bisexuell. Es kann sich mit der Zeit aber noch ändern, denn ich bin jung und hab noch viel zu erleben. Ich habe praktisch noch mein ganzes Leben vor mir.

Text: Sara

Titelfoto: Aaron Tsuru (c) Tsurufoto.com

Theresa ist Journalistin, Digitalnomadin und die Gründerin von Lvstprinzip. Sie mag Hendricks Tonic mit viel Gurke und selbstironische Männer mit Bart.

2 Kommentare

  • Antworten Mai 23, 2017

    CodeBastard

    Menschen sind von Natur aus Bisexuell wir unterscheiden uns nur dadurch wo man auf den Spektrum zurzeit am liebsten tanzt.

    Es ist traurig wie man so viel heiße Luft um nichts macht und Sexualität für etwas missbraucht was Sie nicht ist, ein Ausdruck der Individualität.

    Statt Stereotypen zu entschärfen und zum Witz werden zu lassen der Sie sind missbraucht man diese heut zu Tage als eine Krone die man sich aufsetzt und als Schild in der Hand mit der Aufschrift „Ich bin anders“.

    Alles wird sexualisiert und zwischen Männlich, Weiblich oder bei Bedarf anderen Geschlechtern unterteilt.

    Anstatt also Antworten zu verweigern sollte man helfen die richtige Fragen zu stellen. Wie zum Beispiel „Findest du an Menschen das Lächeln attraktiv oder eher die Ohren?“

  • Antworten August 5, 2017

    Boronskuttentaucher

    Ich weiß nicht ob Menschen so oder so sind und nehme Abstand von jeder Verallgemeinerung. Für mich selbst war es jedenfalls nie etwas, das ich wusste, also über das eine Gewissheit vorhanden gewesen wäre. In meinem Kopf schwirrten unzählige Gedanken darüber wie denn jemand sein müsste, in den ich mich verlieben könnte. Welche Figur, welchen Hintergrund, wie sportlich oder unsportlich, ein Wirrwarr um zu kategorisieren, einzuordnen, um das Chaos zu ordnen.

    Letztendlich ist es nie so gekommen. Ich habe mich in Menschen hals über Kopf verliebt, bei denen ich es nicht für möglich gehalten hätte und dann war es doch möglich und schön.

    Die einzige Regel schien zu sein, das wir uns gut unterhalten können und über ähnliche Dinge lachen. Das es sich dabei um Frauen handelte und dies natürlich in das klassische heterosexuelle Schema passte, halte ich heute eher für Zufall, denn es gab auch Männer, die ich anziehend gefunden habe, aber ich denke auch durch gesellschaftliche Hintergründe, war das eher selten so.

    Ich glaube ich habe mich immer sehr in den Verstand einer Person verliebt. In die Kreativität…

    Vielleicht muss man sich nie sicher sein. Nur dann, wenn es darum geht aus dem Schatten zu treten, wenn man jemanden liebt.

Leave a Reply