Porn Film Festival 2016 – Lvstprinzips Must See´s

Same Procedure as last year, Darlings? Same procedure as every year, Miss T! Für mich ist es das sechste Jahr in Folge, bei dem ich einfach beim Pornfilmfestival Berlin dabei sein muss. Und glaubt mir, wenn man ich ist, ist das ein ganz schöner Akt der Liebe.

Momentan frage ich mich nämlich mindestens drei Mal am Tag, was eigentlich mit mir los ist. Bis es mir wieder einfällt: mir ist einfach nur scheiße kalt. Wird also dringend Zeit, in diesen wärmenden, menschenfreundlichen queeren Raum voller Glitzer und Bewusstseinserweiterung zu kommen, den die Macher des Pornfilmfestival da geschaffen haben.

Für mich war das lange einer der wenigen Orte, an dem ich das Gefühl hatte, dass die Anwesenden wirklich zu sich selbst stehen können – ihren Kinks, ihren Bedürfnissen, ihrer ganz eigenen wilden Lust. Inzwischen habe ich einen zweiten Ort gefunden, der für mich so funktioniert – das Lvstprinzip! Ich finde es wunderbar, was hier passiert. Juhu.

Weil man aber nicht immer nur im Bett auf den Bildschirm starren kann sondern es manchmal auch eine große Leinwand sein muss, halte ich meinem Lieblingsfestival natürlich auch im elften Jahr die Treue. Wie immer ist das Programm ein ziemlicher Kampf zwischen Kalender und Schlafbedürfnis und wie immer wird´s unmöglich sein, alles zu sehen was mich interessiert. Aber der Wille zählt! Hier die Rosinen aus dem Programm, Lvstprinzip-Style:

Los geht´s mit einem Kracher im Vorprogramm: LOVE von Gaspar Noé.

Für mich einer der aufwühlendsten und berührendsten Filme des letzten Jahres. Große Gefühle gehören einfach mal sowas von auf die große Leinwand. Wer ihn noch nicht gesehen hat, kommen, und Taschentücher mitbringen für alles Mögliche.

Beim Eröffnungsfilm The Bedroom von Anna Brownfield bin ich mir gerade wegen des Sounddesigns noch nicht so ganz sicher. Kann man aber bestimmt mal machen. Sagt Bescheid.

Vielleicht auch einfach mal früh ins Bett, denn FUCK THEM ALL am Donnerstag ist wahrscheinlich ein Muss. Läuft aber, Obacht, im Spektrum, der barrierefrei zugänglichen Zweitlocation des Festivals.

Danach aber wieder flugs zurück ins Moviemento, auf keinen Fall Momentum Vol.4 verpassen und ein bisschen von Achselhaaren in der australischen Sonne träumen – hach.

Momentum, vol.4_Official_trailer from Michelle Flynn on Vimeo.

Auch auf den Vorfilm The Bitchhiker freue ich mich sehr, wurde er doch von Queen Erika Lust produziert. Die hat momentan übrigens so eine Art Pornostipendium zu vergeben – My open call to finance and produce female erotic film directors – also lieber Nachwuchs, no Excuses!

Um 20:00 gibt´s dann die Premiere von Snapshot – ein queeres Crowdfundingprojekt, dass mir auch deshalb besonders am Herzen liegt, weil ich Regisseurin Shine Louise Houston für meinen nachhaltigen Pornoguide „Kommen mit Stil“ interviewt habe. Eine warmherzige, kluge lustige Frau auf einer Mission – LOVE!

lvstprinzip_kommenmitstil_buchvorschau_animiert

Danach dann Female Porn Shorts mit noch mehr „Kommen mit Stil“-Love und Ms Naughty.

Am Freitag hat Hide and Seek gute Karten, mich früh morgens ins Kino zu locken. Polybeziehungsdebatten in British English? Klarer Fall von Prädikat #kannmanmalmachen

Vor Cord habe ich Beschreibungsbedingt ja irgendwie ein bisschen Angst: Eine postindustrielle Welt, in der der Winter niemals zu enden scheint und jeder sexuelle Kontakt bedeutet, dem Tod durch Infektion ins Auge zu sehen. Als letztes Mittel, um die unstillbare körperliche Lust zu besänftigen, bleibt die Masturbation – und folgerichtig hat sich eine Art LowTech-Sextoyindustrie entwickelt, die immer neue Hilfsmittel ersinnt. Aber ja, spannend klingt das schon auch.

Um 17:15 gibt´s dann – EHRENSACHE – die Doku „Sexarbeiterin„, die wir ja hier schon vorgestellt hatten.

Danach wird´s trickytrickytricky – Gayporn-Legende Wakefield Poole, lesbische Bloggerliebe bei A Girl in Damascus oder doch die grandiose Vex Ashley von Four Chambers als Filmmaker in Focus? Keine Ahnung, Freunde. Wie so oft macht mich dieses Festival auch jetzt schon ratlos. Und versöhnt mich mit besonders exquisitem Quatschprogramm. Bei so Schmankerln wie „Drei Schwedinnen in Oberbayern“ bleibt dann auch wirklich kein Auge trocken.

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Samstag wird dann deutlich kurzfilmlastig. Mal sehen, wo zwischen Lesbian Pain und Liquid Porn die ganz große Erleuchtung wartet, vor den Mindfuck Shorts werde ich mich wahrscheinlich drücken – aus jahrelanger Erfahrung würde ich mal sagen, wo beim Pornfilmfestival Mind Fuck draufsteht, ist auch Mind Fuck drin. You have been warned.

Ich mag meine Mind Fucks lieber, wenn sie danach noch kuscheln kommen und setze da ganz auf die Ponyplay-Doku Être Cheval inkl Vorfilm von Jan Soldat.

Sonntag gehen wir es katerbedingt entspannter an. Naja, also mit einer Doku über Rape Culture an amerikanischen Unis.

Danach wird uns The Love Witch hoffentlich wieder mit allem versöhnen.

Und dann möchte ich eine große Tasse Ingwer-Pfefferminztee und bitte mindestens eine Woche lang schlafen. Danke! Das wird schön. Kommst du auch?

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Titelfoto: Aaron Tsuru (c) Tsurufoto.com

Theresa ist Journalistin, Digitalnomadin und die Gründerin von Lvstprinzip. Sie mag Hendricks Tonic mit viel Gurke und selbstironische Männer mit Bart.

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