Der perfekte Dreier – ein Text von Jan

Vor Kurzem hatten wir einen Dreier. Das ist eigentlich untertrieben. Es war DER Dreier. Diese Nacht war so perfekt, dass ich für Lvstprinzip darüber schreiben möchte. Denn schließlich ist Sex zu Dritt ein Erlebnis, von dem viele Menschen träumen. In Pornos sieht das alles supertoll und einfach aus.

Aber für die meisten Leute ist ein Dreier entweder unerreichbar, oder stellt sich in der Realität als Enttäuschung heraus. Horrorgeschichten über missglückte Dreier, nach denen sich die Beteiligten nicht mehr ohne Scham in die Augen gucken konnten, oder durch die die ganze Beziehung in Frage gestellt wurde, gibt es genug. Manche Frauen berichten nach einem Dreier mit zwei Typen, dass sie sich dabei total entwertet gefühlt haben. Oder nicht wahrgenommen, wenn noch eine andere Frau dabei war. Es gibt Männer, die zwei Unbekannte mit zu sich aufs Hotelzimmer genommen haben und am nächsten Morgen waren nicht nur die Leute, sondern auch das ganze Geld weg.

Es gibt also viele Faktoren, die beeinflussen, ob ein Dreier das beste Erlebnis ever oder eine Katastrophe wird. Ein Geheimrezept haben wir auch nicht, aber vielleicht könnt ihr aus dem folgenden Erfahrungsbericht einige Anregungen mitnehmen, worauf es sich zu achten lohnt.

Wir, das sind Clara, Marie und ich. Wir leben in einer polyamoren Beziehungsanarchie. Das heißt, dass wir mit mehr als nur einem Partner Beziehungen  führen können (was wir aktuell auch alle tun) und diese nicht hierarchisch strukturiert sind. Es gibt keine Primärbeziehungen. Alle sind gleichberechtigt. Wir wissen immer, was bei den anderen passiert und unterstützen uns darin gegenseitig. Clara und ich sind jetzt seit fünf Jahren zusammen. Vor fast zwei Jahren haben wir unsere Beziehung  geöffnet. Sex mit anderen Menschen, außerhalb unserer Beziehung, war von Anfang an ein Thema für uns gewesen. Auch auf einen gemeinsamen Dreier hatten wir Lust, fanden aber nie die richtige Person dafür. Deswegen haben wir entschieden, die Beziehung zu öffnen und uns so die Möglichkeit zu geben, auch mit anderen Menschen intim zu werden. Was am Anfang nur als offene Beziehung funktionieren sollte, entwickelte sich schon nach wenigen Wochen in ein polyamores Konzept.

Vor einem Dreivierteljahr hab ich dann Marie kennengelernt. Eine andere meiner Partnerinnen hatte sich kurz zuvor von mir getrennt und ich war noch im Liebeskummer, als Marie mir auf einem Konzert begegnete. Auch sie hatte kurz zuvor eine Trennung erfahren. Wir haben uns sehr gut verstanden und uns kurz darauf bei ihr getroffen. Hauptsächlich um uns beieinander auszuweinen und Rotwein zu trinken. Aber wir haben auch Liebe gemacht. So trafen wir uns immer wieder, besuchten gemeinsam Konzerte, hörten Musik und redeten so über dies und das. Und machten Liebe. Bis wir ein Paar wurden.

Ein paar Monate später lernten sich Clara und Marie dann kennen. Sie verstanden sich sehr gut. Deutlich besser, als das vorher mit anderen Partnerinnen der Fall gewesen war. Clara lud Marie zu ihrem Geburtstag ein, wir gingen mal zusammen ins Kino oder auf Konzerte. Aber es folgte auch eine Phase, in dem der Kontakt zwischen den beiden etwas still wurde. Bis sie sich vor einem Monat dann mal ohne mich trafen. Clara übernachtete bei Marie und sie sprachen die ganze Nacht. Darüber, wie sie sich gegenseitig als Partnerinnen desselben Mannes erleben, über Eifersucht und andere Ängste.

Ein paar Wochen später wollten wir dann alle zusammen zu meinen Eltern fahren. Marie
lernte sie an diesem Tag das erste Mal kennen. Aber auch für Clara und mich war das eine
besondere Situation, weil wir das erste Mal als Dreierkonstellation bei einem Familientreffen
auftauchten.  Deshalb hatten wir  vereinbart, dass wir danach alle bei Marie übernachten, damit niemand alleine nach Hause fahren muss. Clara und Marie hatten ja schon mal einen wunderschönen Abend zusammen verbracht und so schien das alles kein Problem zu sein.

Als wir nach dem Elternbesuch bei Marie ankamen, ging ich in die Küche, um mich um das Abendessen zu kümmern, während sich die beiden im Wohnzimmer unterhielten.  Als das erledigt war, machte ich mir mein erstes Bier auf und Marie drehte die erste Tüte. Da saß ich also, zwischen zwei Menschen die ich über alles liebe, mit Bier, Gras und einem ganz besonderen Gefühl von Zusammen-Sein. Den Videos, die wir zum allgemeinen Entertainment immer wieder raussuchten, schenkten wir eigentlich kaum Beachtung, weil es so viel zu erzählen gab. Ich war unglaublich glücklich, mit diesen beiden Menschen zusammensitzen zu können und dabei diese Harmonie zu erleben. Zugegebenermaßen habe ich manchmal die Neigung, Situationen kontrollieren zu wollen, weil ich Angst habe, dass Konflikte entstehen können oder sich jemand nicht wohl fühlt.

Aber das war an dem Abend gar nicht nötig. Es war so entspannend, dass ich mich zwischenzeitlich hinsetzen und einfach nur zuhören konnte. Wir rauchten weiter Gras und die Atmosphäre wurde warm, gemütlich und liebevoll. Aus Platzgründen konnten wir nicht zu dritt beieinander sitzen, aber auch da entstand kein Druck. Als derjenige, der mit seinen beiden Partnerinnen den Abend verbrachte, wollte ich natürlich beiden das Gefühl geben, gleich wichtig für mich zu sein. Aber auch dieser Druck wurde mir durch die besondere Dynamik genommen. Mal saß ich bei Clara, mal bei Marie, mal saßen die beiden zusammen und ich alleine. Nach vielen gemeinsamen Tüten waren wir schließlich zum Sitzen nicht mehr fähig und zogen ins Schlafzimmer um. Aber weil der Abend bisher so schön war (und es noch Gras gab) wollten wir nicht direkt schlafen gehen. Also sahen wir uns noch einen Film auf dem Laptop an und pafften weiter.

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mich nicht wie der absolute König dabei gefühlt habe, völlig tiefenentspannt zwischen diesen beiden wundervollen Frauen zu liegen, die sich ebenfalls sauwohl fühlten.

Es ging nicht um Sex, sondern darum, in Liebe beieinander zu sein. Es war entspannt, ohne Druck, ohne Angst, was als nächstes passieren könnte oder ob etwas passieren muss. Natürlich machten wir uns alle Gedanken darüber, wer jetzt mit wem wie kuscheln darf und ob das für alle Beteiligten in Ordnung ist. Aber es entstand keine Spannung. Wir waren alle vorsichtig und einfühlsam. Nach und nach kuschelten sich beide an mich an. Clara erzählte später, dass sie den Gedanken schön fand, dass ich die Haut beider Frauen gleichzeitig an mir spüren konnte. Die sich so unterschiedlich und doch auf ihre ganz besondere Art unfassbar gut anfühlen. Ihre Liebe zu spüren und ihnen zu zeigen, wie sehr ich sie liebe.

Als die letzte Tüte dann aufgeraucht war, stellte ich den Laptop zur Seite und wir machten es uns zum Schlafen bequem. Ich nahm jeweils eine Hand der beiden. Schon kurz darauf landete meine eine Hand in Claras Schoss und sie begann sich daran zu reiben. Ich wollte das auch auf der anderen Seite starten, aber Marie nahm meine Hand wieder von sich weg, weil sie nicht wusste, ob das für Clara in Ordnung ist. Aber dann nahm ich sie einfach in den Arm, Clara kuschelte sich von hinten an mich und wir fingen an, Marie zusammen zu streicheln. Und ohne zu explizit zu werden, kam so eins zum anderen. Wenige Minuten später waren wir alle nackt und genossen uns gegenseitig. Das war ziemlich schön. Nicht nur wegen dem Sex an sich, sondern auch wegen der Art, wie das alles ablief.

Während wir miteinander zugange waren, schwärmten wir alle immer wieder, wie überwältigend und unglaublich die Situation ist. Wir lachten und fragten uns gegenseitig, ob alles in Ordnung ist. Ob dies oder jenes erlaubt sei, ob es sich gut anfühlt, was da gerade passiert, ob etwas anders gemacht werden soll, ob jemand eine Pause oder mal einen Schluck Wasser braucht. Jeder von uns nahm sich genau die Zeit, die nötig war. Wir fühlten uns alle wahrgenommen, wertgeschätzt und respektiert. Und vor allem auch auf Augenhöhe.

Ich hatte Angst, ob ich es überhaupt schaffen würde, zwei Menschen zu befriedigen. Das kann ja mit einer Person manchmal schon aufwendig sein. Aber dadurch, dass wir uns alle gegenseitig schöne Gefühle machen konnten, war ich nicht in der Position,  die alleinige Verantwortung dafür tragen zu müssen Also hab ich mich einfach hingelegt und zugesehen, was Clara und Marie da miteinander treiben. Habe ihre Wärme gespürt, ihre Düfte eingeatmet und ihre wunderschönen Körper betrachtet, die vor Verlangen miteinander verschmolzen.

Irgendwann kam dann auch der Zeitpunkt, an dem beide mich in sich spüren wollten. Doch wo sollte ich anfangen, wo aufhören? Vögele ich zuerst eine Weile die eine und wechsele dann zur anderen? Oder schlafe ich mit beiden nacheinander, damit ich mich zwischendurch wieder aufladen kann und die zweite genauso viel von mir bekommt wie die erste? Und wohin komme ich, wenn es bei mir soweit ist? Ins Gummi, auf ein paar von den vielen tollen Brüsten um mich herum, oder in einen Mund? Auf Letzteres stehen beide meiner Partnerinnen  ziemlich, was wiederum die Entscheidung erschwerte. Oder lasse ich sowieso erstmal die beiden kommen und stelle mich hinten an?

Zugegeben, all diese Überlegungen habe ich in dem Moment nicht kommuniziert. Weil ich meine Gedankengänge und die Fragen, die ich mir stelle manchmal selbst zu kompliziert finde. Weil ich keine Diskussion darüber anfangen wollte. Weil ich den Moment nicht kaputt machen wollte. Eigentlich ist das völliger Quatsch. Wir hatten ja die ganze Zeit über schon ziemlich offen kommuniziert, was wir möchten und was nicht. Aber in dem Moment war mein Schwanz an und mein Kopf aus. Also hab ich zwei Etappen gemacht, erst mit Clara, dann mit Marie. Für mein Sperma habe ich die Variante mit den Titten gewählt, sehr zur großen Freude aller Beteiligten.

Auch wenn sich das jetzt schon wieder wie ein – guter – Porno anhört: Ich hab es nicht geschafft, über die ganze Zeit einen Bilderbuchständer aufrecht zu erhalten. Dafür war das nicht nur viel zu aufregend, sondern auch viel zu lang. Aber es geht ja hier auch nicht um  Leistungssport, sondern um Liebe und Zuneigung. Wenn ich gesagt habe, dass mein Penis gerade eine Auszeit braucht, war das völlig in Ordnung. Sex ist nicht nur Penetration oder stumpfes rein-raus. Und einen Dreier zu haben bedeutet nicht, als Kerl zwei Frauen bis zum Orgasmus zu vögeln. Wer das glaubt, hat nicht richtig verstanden, was Sex eigentlich ist.

Generell haben wir uns alle auch Zeit genommen, mal außen vor zu bleiben und die anderen beiden beim Sex zu beobachten. Es ist ein einmaliges Gefühl, mitzuerleben,  wie jemand, den du liebst, sexuelle Befriedigung erfährt und auch sonst gerade einfach glücklich ist. Und dann wird es irgendwann egal, ob du deinen beiden Partnerinnen dabei zusiehst, wie sie es sich gegenseitig besorgen, oder ob eine von ihnen dir und der anderen zuschaut, wie ihr es treibt. Weil es sie geil macht. Und weil es dich geil macht. Und weil es dich verdammt glücklich macht, die Liebe in der Luft fast mit den Händen greifen zu können.

Der beste Teil kommt eigentlich jetzt erst. Denn anstatt etwas beschämt und mit Sperma beschmiert einzuschlafen, haben wir uns alle mit dem nackten Arsch ins Wohnzimmer gesetzt und erstmal besprochen, was da gerade eigentlich abgegangen ist. Ich brauchte etwas länger, um klarzukommen – die Hormone halt. Ich hab dann erstmal für alle Tee gekocht, während Clara und Marie im Wohnzimmer saßen und sich gegenseitig Komplimente für ihre schönen Körper gemacht haben. Der Tee war in dem Moment fertig, als ich kurz davor war, komplett den Verstand zu verlieren. Meine beiden Partnerinnen sitzen nach einem Dreier mit mir im Wohnzimmer und komplimentieren sich gegenseitig für ihre Körper und den tollen Sex miteinander. Eine Blutkonserve bitte!

Meine Befürchtungen, wie ein mieser Macker zu wirken, zerstreuten sich dann auch, als Clara und Marie ebenfalls erzählten, wie toll sie sich dabei vorkamen, mit zwei so wunderbaren und wunderschönen Menschen so etwas Magisches erlebt zu haben. Und dann sprach mir Marie auch noch das Kompliment aus, ich hätte es sehr gut hinbekommen, beiden gleich viel Nähe zu schenken. Wir redeten noch eine Weile darüber, was denn so unsere besten Momente waren. Als die Uhr mittlerweile vier Uhr morgens anzeigte, haben wir uns dann auf ins Bett gemacht, um uns unseren wohlverdienten Schlaf zu gönnen. Kleiner Spaß, wir haben nochmal gevögelt. Es ging nicht anders. Es war einfach zu schön. Danach erst sind wir eingeschlafen.

Am nächsten Morgen saßen wir zum Frühstück gemeinsam im Wohnzimmer. Und es war immer noch alles in Ordnung. Niemand schämte sich. Wir waren alle überglücklich. Als ich mit Clara dann später wieder nach Hause fuhr, konnten wir noch gar nicht so richtig fassen, was für ein perfektes Erlebnis wir da hatten. Minutiös gingen wir die Ereignisse der letzten Nacht noch einmal durch, um auch alles gut in Erinnerung zu behalten.

In den darauf folgenden Tagen traf ich mich zuerst mit Marie, dann mit Clara. Wir überlegten, was den ganzen Abend eigentlich so perfekt gemacht hatte. Es war einfach alles. Die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, mit der richtigen Stimmung und all dem, was vorher und nachher passiert ist. Sogar Maries Katzen, die sonst eigentlich kein Problem damit haben, beim Sex reinzukommen und zuzugucken oder deine verdammten Füße anzugreifen, haben uns in Ruhe machen lassen. Marie war sehr dankbar für das
Selbstwertgefühl, das wir ihr vermitteln konnten. Sie sagte, sie hätte sich selten in ihrem Körper so wohl gefühlt. Und zum ersten Mal fühlte sie, in ihrem Leben wirklich angekommen zu sein.
Es war auch das Empfinden  von Konsens und Sicherheit. Wir hatten alle zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, genau zu wissen, was abgeht, ohne im Detail zu wissen, was als nächstes passiert. Das entstand vor allem durch die Rückfragen, die wir uns gegenseitig gestellt haben.


Auch bei uns kamen natürlich einige Faktoren zusammen, welche die ganze Situation begünstigt haben. Aber niemand hat gezielt darauf hingearbeitet. Da war diese Situation am Tag bei meinen Eltern, als wir zusammen Kinderfotos von mir durchsahen. Clara kannte einige der Bilder, aber nicht alle. Dadurch entstand zwischen Clara und Marie ein Gefühl von gemeinsamem Erleben und Verbundenheit. Und auf dem Rückweg von meinen Eltern, auf dem Weg zu Marie, haben wir darüber ausgetauscht, wie wir alle aus unserer individuellen Position heraus den Elternbesuch erlebt haben. Dabei haben wir es geschafft, uns gegenseitig das Gefühl zu geben, dass das jeweilige Erleben ernst genommen wird.  Da ging es nicht darum, jemandem auszureden, dass sein Empfinden vielleicht falsch sein könnte. Wir wurden alle gleich. Individuen, die eine Situation geteilt haben. Jeder mit seinem eigenen Erleben, aber eben als gemeinsames Erleben. Mit Offenheit, Ehrlichkeit und dem Gefühl, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden.

Und diese gelingende Kommunikation war die beste Basis für das noch viel intensivere Erlebnis zu dritt, das sich dann später am Abend spontan entwickelt hat.  Wir waren uns alle einig, dass das bestimmt nicht das letzte Mal gewesen ist. Auch wenn es für zukünftige Treffen kein Muss ist, würden wir uns alle über eine Wiederholung freuen. Wobei es „Wiederholung“ eigentlich nicht trifft.  Denn diese perfekte Atmosphäre war einmalig. Das heißt nicht, dass ein nächstes Mal nicht genauso schön werden kann.  Aber Sex ist eben einzigartig. Kein Mal gleicht dem anderen Mal, denn alle Menschen sind einzigartig und können dir etwas Einzigartiges geben. Deswegen muss man sie nicht miteinander vergleichen. Man muss sie nur lieben.

Text: Jan

Titelbild: Aaron Tsuru (c) Tsurufoto.com

Hallo, ich bin Theresa und ich mag Sex! Deswegen habe ich Lvstprinzip gegründet.

Ein Kommentar

Leave a Reply