Ich mach was mit Porno: Maike und Sören von schnick schnack schnuck

Heute im “Kommen mit Stil“-Interview: Maike und Sören von Schnick Schnack Schnuck. Sie sind nicht nur eines der coolsten Pärchen, die ich kenne, sondern auch Deutschlands Nachwuchspornografenhoffnung der letzten Jahre. Gemeinsam drehen sie instagrambunte Experimentalpornos mit Diskurs, Humor und Schmackes

Wer seid ihr und was macht ihr mit Pornos?

Sören: Wir sind Maike und Sören und wir haben 2013 das postpornografische
Filmexperiment häppchenweise und 2016 die
pornografische Komödie Schnick Schnack Schnuck gemacht.
Maike: Ich hab mich außerdem wissenschaftlich mit dem
Thema Pornografie und Kunst auseinandergesetzt. Selbst Pornos
zu drehen und dadurch die Chance zu haben eine neue
alternative Pornolandschaft aktiv mitzugestalten macht allerdings
noch mehr Spaß.


Gab es einen Schlüsselmoment, in dem ihr wusstest, dass
ihr das tun müsst?

Maike: Bei mir gabs nicht DEN Schlüsselmoment, eher viele
kleine Schritte die mich häppchenweise (haha!) ans Thema
heran geführt haben. Meine Arbeit mit und über explizite
Kunst, der ganze akademische Diskurs dahinter, 70er-Jahre
Sexfilme, feministische Pornografie bis hin zum PornFilmFestival
in Berlin haben alle einen Teil dazu beigetragen.
Sören: häppchenweise war noch eher Maikes Ding. Das hat
als Schnapsidee angefangen aber irgendwann wollte sie das
unbedingt machen. Ich arbeite als Cutter, also hat sie mich
gefragt, ob ich das nach dem Dreh mit ihr schneiden würde.
Hab ich natürlich sofort Ja! gesagt. Und als sie mich gefragt
hat, ob ich denn auch als Darsteller mitmachen würde, hab
ich zweimal hin und her überlegt und mich dann auch dafür
entschieden. Beflügelt von dem Überraschungserfolg wollte
ich dann auf jeden Fall noch einen Film mit Sex und Humor
drehen. Und hab Maike gefragt ob wir das machen sollen und
diesmal hat sie dann sofort Ja! gesagt.

Wie erklärt ihr jemandem, der noch nie einen Porno gesehen
hat, was für Filme ihr macht? Was macht sie so besonders?

Sören: Ich sag immer sowas wie »Schnick Schnack Schnuck
ist ein liebevoll-dilletantischer Porno mit Herz, Humor und
Verstand. Wir versuchen Gegenbilder zu fickenden Muskelottos
und Plastikbrüsten zu finden!«
Maike: Besser hätt ichs auch nicht zusammenfassen können.

02-maike-soeren-on-set-2


Wann ist eine Pornoproduktion eurer Meinung nach
»ethisch korrekt«?

Maike: Man sollte seine Filme und die Darsteller_innen lieben,
vor dem Sex drüber reden was geht und was nicht geht, nicht
(nur) mit Geld ködern und keine Performance-Erwartungen
schüren.
Sören: Wir haben uns vor dem Dreh eine 3-Punkte-Liste
überlegt:

1. Zeige Menschen, keine interagierenden Körper
2. Weibliche und männliche Lust sind gleichberechtigt
3. Keine Angst vor schlaffen Penissen!

Wie sieht ein typischer Porno-Arbeitstag bei euch aus?

Maike: Eigentlich haben wir so was wie Pornoalltag gar nicht
wirklich, weil die Produktion nur einen kleinen Teil unseres
Lebens ausmacht und deswegen bisher immer etwas sehr
Besonderes war.
Sören: Abgesehen von den aufregenden Drehtagen passieren
davor und danach ganz unterschiedliche Dinge. Meistens:
normal arbeiten gehen und danach Emails schreiben und beantworten.
Oder je nach Phase Filme kucken, Ideen sammeln,
Drehbuch schreiben, Musik machen oder im Bademantel Sexszenen
schneiden und mit Maike streiten.

Wie schaffst du es beim Dreh, Intimität einzufangen, Maike?

Sören: Ja, wie schaffst du das Maike?
Maike: Das Wichtigste ist die Vorarbeit mit den Darsteller_innen
und dem Team. Es sollte eine vertrauensvolle Atmosphäre
geschaffen werden, die Grenzen müssen klar sein, die Darsteller_ innen
sich vorher schon kennengelernt haben und die
Rollen so vergeben sein, dass sich die Leute gegenseitig attraktiv
finden. Für das Alles machen wir sogar Abstriche in der
Rollenverteilung oder schreiben etwas im Drehbuch um.
Außerdem werden die Sexszenen dokumentarisch gedreht,
so dass schon mal keine Akrobatik oder Performance auf
Knopfdruck für vorher festgelegte Einstellungen notwendig
ist. Alle bis auf Kamera- und Tonmenschen werden dazu
aufgefordert das Set zu verlassen. Dann können die Darsteller_
innen weitestgehend ohne Regieanweisungen in ihrem
Tempo loslegen. Dafür braucht es vor allem Zeit und gute
Kameraleute, die spontan reagieren, lange konzentriert mit
denken und genug Empathie für die Situation haben. Sörens
und meine Regiearbeit findet also eher vor- und nach den
Sexszenen (vor allem später im Schnitt) statt und das sind
dann auch die Momente in denen die Intimität vorbereitet
und rückwirkend wieder in Bildsprache übersetzt wird.

Welche Veränderungen wünscht ihr euch von der Mainstream-
Pornoindustrie? Und was sollten die Konsumenten ändern?

Sören: Im Kapitalismus ist jede Quittung ein Stimmzettel.
Der Mainstream ist so wie er ist, weil Männer andere Männer
dafür bezahlen, harte dumme Pornos zu drehen. Wenn die
Konsumenten für harte dumme Pornos zahlen (sei es mit
echtem Geld oder mit Werbeanzeigen) können wir dagegen
erstmal nichts machen. Wir können aber etwas für positive
Gegenbilder tun und versuchen, diesen Gegenbildern einen
Wert zu geben. Wenn jemand bereit ist, unseren Film für
18€ zu kaufen obwohl er sich vor xHamster auch umsonst
einen runterholen kann bin ich jedes Mal ganz stolz, dankbar
und glücklich!
Maike: Ja!

lvstprinzip_kommenmitstil_buchvorschau_animiert


Das ungekürzte Interview und viele weitere kluge Antworten gibt´s in Kommen mit Stil – der Guide für nachhaltigen Porno – ab sofort exklusiv im Lvstshop erhältlich! Maike und Simons ersten Film Häppchenweise kannst du bei Lustcinema streamen. Wenn du das über diesen Link tust, erhalte ich auch noch eine kleine Provision. Sieh´s als Drink für meine Pornorecherchemühen, den du mir gar nicht extra ausgeben musst. Win-Win, Baby!

Hallo, ich bin Theresa und ich mag Sex! Deswegen habe ich Lvstprinzip gegründet.

Ein Kommentar

Leave a Reply