Ich mach was mit Porno: Ovidie

Was ist eigentlich ein nachhaltiger Porno? Wen wollen wir leben? Und wie – sorrynotsorry – ficken? Um diese Fragen zu beantworten, hat Lvstprinzip mit den spannendsten Pornoregisseurinnen und Sexpreneurinnen unserer Zeit gesprochen. Das Ergebnis gibt´s in Kommen mit Stil – der Guide für nachhaltigen Porno. Kleine Sneak Preview gefällig? Bittesehr – unser Interview mit FemPorn Ikone Ovidie.

Wer bist du und was machst du mit Porno?

Ich weiß nie genau, wie ich mich selbst beschreiben soll, aber sagen wir mal, ich bin eine feministische Filmemacherin und Autorin. Ich bin schon sehr lange Pornoregisseurin, ich habe im Juli 2000 angefangen. Ich arbeite aber auch als Journalistin und Dokumentarfilmerin – und zwar sowohl für diese Mainstream-Aktivitäten für das französische öffentlich-rechtliche Fernsehen, als auch an meinem feministischen Pornoprojekt unter demselben Namen. Normalerweise benutzen die Menschen in der Szene verschiedene Namen, einen für die Pornoindustrie und einen für ihre gutbürgerliche Arbeit. Für mich war das immer ein globales Projekt. Ich bin Journalistin und die Porno-Hexe. Ich heiße OVIDIE und das ist auch gut so.

Ovidie

Wann wusstest du, dass du das was du machst, tun musst? Gab es da einen besonderen Moment?

Ich bin schon seit den 1990ern in radikalfeministische und politische Bewegungen verstrickt und je älter ich werde, umso mehr merke ich, dass das wohl immer so sein wird.

Lustigerweise habe ich Pornos für mich entdeckt, als ich feministische Anti-Porno-Aktivistin war, das muss so 1995 oder 1996 gewesen sein. Ich habe diese Filme angeschaut, um sie besser bekämpfen zu können. Aber das, was ich da gesehen habe, war so ganz anders als das, was ich erwartet hatte: ich hatte ein glückliches Händchen bei der Auswahl, weil ich herausfand, dass – holla – manche dieser Filme ziemlich empowernd waren: „Cafe Flesh“, oder „Fingered“ von Richard Kern mit Lydia Lunch, Mainstreamzeug wie „Latex“ von Michael Lynn. Und ich nur so: „Wow, Pornos sind eigentlich ziemlich cool, warum sind wir da gleich nochmal dagegen????“ Und dann entdeckte ich Annie Sprinkle, Candida Royalle, Veronica Vera und Sexarbeits-Aktivistinnen wie Carol Leigh und mein Leben hat sich komplett verändert. Ich entschloss mich, auch Pornos zu machen. Erst als Darstellerin, weil das die einfachste Methode war um mit der Industrie in Kontakt zu kommen und weil ich neugierig auf dieses Experiment war. Ein Jahr später dann auch als Regisseurin.

Wie würdest du das, was du da tust, jemandem beschreiben, der noch nie einen Porno gesehen hat? Was macht deine Filme so besonders?

Meine Skripte sind normalerweise ziemlich lang – also für Pornofilme, meine ich. Irgendwas zwischen 70 und 100 Seiten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein Teil von mir davon beeinflusst ist, was wir „The Golden Age of French Porn“ nennen, was sich in den 70ern abgespielt hat. Pornos wurden im Mainstreamkino wirklich breitgetreten. Die Menschen haben sich auf den Champs Elysées Pornos reingezogen, das kann man sich heutzutage ja gar nicht mehr vorstellen. Französische Pornofilmemacher waren oft nebenbei noch Mainstream-Regisseure. Also war der Plot normalerweise relativ dialogstark…ich schätze, deswegen wird auch in meinen Filmen so viel geredet. Ich liebe es übrigens, über Sex zu reden. Das ist für mich der beste Teil. Das Reden.

Fairtrade Porn, Ethical Porn, Porno für Frauen, Paare, Indie Porn, Feminist Porn – welches Label würdest du deiner Arbeit geben, wenn du eins aussuchen müsstest?

Feministischer Porno, definitiv. Ich habe keine Angst vor diesem Wort, Feminismus. Ich weiß, dass das Wort eine Menge Leute abschreckt, es ist wie eine Beleidigung. Jedes Mal, wenn ich für das Fernsehen an einem Mainstreamprojekt arbeite, bitten mich die Leute, dieses Label unter den Tisch fallen zu lassen, weil sie Angst haben, dass wir damit unser Publikum verlieren. Feministinnen werden als haarige Hexen dargestellt, die ihr eigenes Blut trinken und die Menschen glauben, dass wir sämtlichen Männern die Eier abschneiden wollen.

Wie schaffst du es, Intimität beim Dreh einzufangen?
Ich rede sehr viel mit den Darstellern vor dem Dreh. Nicht nur so ein paar Minuten vorher, Tage, Wochen vorher! Aber sobald die Kamera angeht, halte ich die Klappe. Ich bin eine ruhige Person. Ich habe eine sehr kleine technische Crew, ich unterbreche die Performer nicht, außer um die Batterien zu wechseln. Ich filme und editiere komplett selbst, deswegen weiß ich was mir gefällt und was nicht.

Welche Veränderungen wünscht du dir von der Mainstream-Pornoindustrie? Was sollten die Konsumenten ändern?

Wenn ich einen Wunsch freihätte, würde ich all diese Tube Seiten schließen, die die Adult Industrie zerstört haben. Menschen sollten für ihre Pornos bezahlen, anstatt geklauten Content zu schauen. Sie sollten verstehen, dass diese Filme hier ohne die Erlaubnis der Produzenten hochgeladen wurden. Und was noch schlimmer ist: ohne die Erlaubnis der Darsteller. Einige der Videos, in denen ich vor 17 Jahren performt habe, sind auf diesen Plattformen – ohne meine Zustimmung. Die wurden für eine sehr kleine Zielgruppe gedreht, ungefähr 300 bis 500 Menschen haben sie auf Video gekauft und jetzt werden sie von Millionen Zuschauern ohne meine Zustimmung gesehen. Die Freunde meiner Kinder oder meine Nachbarn können das sehen. Das fühlt sich für mich an wie eine Vergewaltigung.

Wenn wir nur einen deiner Filme sehen, welcher sollte das sein?

Le Baiser, definitiv. Wir haben in der Normandie mit Madison Young gedreht, die die großzügigste Person auf der ganzen Welt ist. Die Sonne schien, wir haben Yoga gemacht, Tiffany Doll ist ebenfalls eine wunderbare Darstellerin, und wir waren alle ineinander verliebt. Das spürst du, wenn du diesen Film siehst. Und wir haben übrigens auch eine großartige bisexuelle Boy-on-Boy-Szene drin.

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Wo können wir deine Filme bekommen?

In Frankreich laufen die im Fernsehen, meine Pornos auf Canal + und meine Dokus auf France 2. Online findest du mich bei Lustcinema. Und wenn du französisch sprichst, kannst du dir „A quoi revent les jeunes filles?“ umsonst auf Youtube ansehen.

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Kommen mit Stil – der Guide für nachhaltigen Porno erscheint am 15.9. – hier vorbestellen!

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Hallo, ich bin Theresa und ich mag Sex! Deswegen habe ich Lvstprinzip gegründet.

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