Mehr Sex im Kopf mit femtasy

„Echt toll, dein Blog! Ich hatte ja erst so ein bisschen Angst, aber den hab ja auch
ich so als Mann echt gut lesen können“ vertraut mir der treuherzige Tech-Brudi
neben der Konferenzbühne an, auf der ich bis eben auch noch stand. Du und meine
übrigen 54% Male Audience laut Google Analytics, Habibi, denke ich, proste ihm zu und rede
lieber weiter mit Menschen, die nicht mit ihren Geschlechtsteilen lesen, sondern mit ihrem
Kopf.

Tatsächlich hatte ich bei der Gründung von Lvstprinzip gar nicht groß darüber
nachgedacht, ob das ein „Sexblog für Frauen“ wird, sondern einfach nur, dass es das, was
ich gerne lesen würde, so noch nirgendwo anders im deutschsprachigen Raum gab.

Nachdem ich so vong Natur und Sozialisierung und Brüsten etc her sehr gerne eine Frau
bin, liegt die mir oft gestellte Interviewfrage, wie das denn so sei mit dieser „weiblichen
Lust“ natürlich ein bisschen auf der Hand. Und ich nicke immer wieder gütig, wenn
heterosexuelle cis-Männer mich fragen, ob sie da denn auch mitlesen dürften. Verteile
virtuelle High Fives, wenn sich einer bedankt, dass ich ihm solch intime Einblicke in unser
Seelenleben gebe.

Und schüttle gleichzeitig innerlich ein bisschen den Kopf darüber, dass meine Lust als solche „weiblich“ sein muss – und nicht einfach nur Lust sein darf.
Gleichzeitig kann ich dieses Phänomen in der gesamten Sextech-Branche beobachten:
alles, was irgendwie young fresh and new ist, ist fest in weiblicher Hand.
Innovation wird von Frauen für Frauen gemacht, und dann passiert interessanterweise
fast jedes mal genau dasselbe: Männern fällt auf, dass ihnen dieser neumodische „für
Frauen“ Kram in Wirklichkeit eigentlich auch tausendmal besser gefällt.

Das kleine bunte Toy, das wie ein Designobjekt aussieht, sich irgendwie unpeinlicher ins
eigene Liebesleben integrieren lässt, als ein labberiger fleischfarbener geäderter
Gummischwengel. Dass ästhetisch inszenierter Porno ohne Übergriffsnarrativ, der fair und
mit artgerechter Darstellerhaltung produziert ist macht, dass man sich nach dem Kommen
wesentlich weniger leer und eklig fühlt.

Und, jetzt neu: dass das eigene Kopfkino im Zweifelsfall immer noch die schärfsten Bilder
überhaupt produziert. Enter femtasy.

Das Startup von Nina Julie Lepique produziert, räusper, ich zitiere: „sexy
Sprachnachrichten auf wissenschaftlicher Basis“. 2017 hat die Mittzwanzigerin rund 1500 Frauen zu ihren Masturbationsgewohnheiten befragt und dabei festgestellt: unser größtes Geschlechtsorgan sitzt zwischen den Ohren. Frauen wollen dass ihre Fantasie stimuliert wird, die Bilder dazu basteln wir uns selbst. Für mich persönlich ergibt das tausendprozentig Sinn.

Meine Lust ist ein ästhetisch sensibles, äußerst leicht ablenkbares Wesen – ich nenn´s mal das Acrylfingernägelparadox. Ich weiß nicht, wie viele Pornos ich schon gesehen und dabei primär über den Rasurbrand der Darsteller nachgedacht habe, und nicht über den Sex, den die da gerade haben. Allein hierfür ist femtasy eine großartige Risikominimierung.
Und femtasy löst auch den Rest richtig klug.

Die mobiloptimierte Website ist simpel, clean und komplett frei von hässlich blinkenden
spammigen Werbebannern, ein Monatsabo kostet 9,99€ wer sich erst gemütlich mal 24
Stunden lang umsehen möchte, bezahlt dafür so viel wie für nen Kaffee, der dann im
Kontoauszug schön diskret als Pink Internet GmbH erscheint.

Dann ist erst mal Phantasien-Shopping angesagt: sanft, intensiv oder hardcore? Oral, anal, von hinten, Spanking, waitbittewas – österreichisch? Ach so, die Sprecherin. Für Dialektfetischistinnen wie mich natürlich ein Muss.

Dann bekommt man entsprechend der eigenen Suchkriterien mehrere Geschichten vorgeschlagen, alle so zwischen 10 und 30 Minuten lang, again, Käffchenformat, hat ja auch niemand den ganzen Tag Zeit. Den einzelnen Lieblingsstimmen kann man „folgen“ und wird entsprechend informiert, wenn sie eine neue Geschichte produziert haben.

Und dann gilt: Headphones einstöpseln, Alltag raus, Hosen runter, Kopfkino an. Die
Folgen sind ausschließlich von Frauen geschrieben, sprechen Frauen an, und Frauen
stehen nicht als passive Zuhörerin, sondern als aktiv Teilnehmende im Zentrum des
Geschehens.

„Das hier ist Sex mit ein bisschen Entertainment – nicht Entertainment mit ein
bisschen Sex“ beschreibt es Lepique schön barrierefrei, und auch in den einzelnen
Geschichten fällt mir direkt die angenehm schnörkellose Sprache auf. Nada Lustgrotte und
betuliches Drumrumgeschwafel, hier werden die Dinge klar benannt und es geht nach ein
bisschen Rahmenhandlung direkt mit Schmackes zur Sache.

Die Sprecher seufzen, stöhnen und hauchen fleißig mit, was ja ansich schon sehr nice ist.
Und jetzt machen auch die Kopfhörer noch mehr Sinn: abgesehen davon, dass meine
Nachbarin nicht zwingend mitbekommen muss, wie der lüsterne Masseur auf einmal mein
Handtuch lüpft oder mein imaginärer Ehemann dabei zusehen muss, wie der Cuckold
Dinge mit mir anstellt, die er sich niemals trauen würde, fühlt sich der ganze Spaß so noch
direkter, intimer und unmittelbarer an.

Noch so ein absoluter „hier waren eindeutig kluge Frauen am Werk, die auf andere
Frauen gehört haben“-Bonuspunkt: der Filter „Bodypositive“. Wer den einstellt,
bekommt nur Aufnahmen angezeigt, die keinerlei konkrete optische Beschreibungen
verwenden. Statement hierzu auf der Website:

„femtasy ist für jede Frau – und jede Frau soll sich bei uns schön und attraktiv fühlen.
Deshalb verzichten wir in unseren Aufnahmen weitestgehend (vermeintliche)
Schönheitsideale jeglicher Art zu bedienen. Denn jede Frau ist schön und soll sich gut
fühlen genau so wie sie ist. Du bist hier um Dich wohl zu fühlen – All shapes are
beautiful. All unsere Aufnahmen, die den Bodypositive Tag tragen, sind von unseren
Nutzerinnen ausgewählt worden.

Nicht nur, wer den Twitter-Thread „Describe yourself like a male author would“ kennt, ruft
innerlich halleluja. Denn es funktioniert. Die Geschichten kommen wirklich eins A ohne
bebende Riesenbrüste, knackige Ärsche und co aus. Wie gut es funktioniert, fragt am
Ende jeder Episode ein Button: hattest du einen Orgasmus? Die meisten
Nutzerinnen klicken auf „Ja“ freut sich Lepique. Ich jetzt also auch.

Und ich würde jetzt einfach mal meinen knackigen Größe 42 Cellulitepopo drauf
verwetten, dass auch der männliche Nutzeranteil von femtasy, der momentan noch bei
10% liegt, bald ganz ordentlich zunehmen wird. Mir hat nämlich mal ein Vögelchen
gezwitschert, dass überzogene Porno-ideale auch bei Boys für Body Issues sorgen. Dass das mit der ach so linearen „männlichen“ Sexualität totaler Quatsch ist, beweisen mir
immer wieder meine wunderbar schlauen, komplexen Gastautoren. Und dafür, dass sich
jeder gern was Schönes vorlesen lässt, brauch ich keine Statistik. Das weiß ich einfach so.
Sinnlichkeit, Wünschen nachspüren und die eigene Sexualität entfalten, das ist für alle
Menschen gut.

 

Und deswegen haben Femtasy und ich da mal gemeinsam was ausgeheckt: unter allen, die hier in den Kommentaren bis 25. November eine Fantasie teilen, die sie gerne mal als sexy Sprachnachricht vorgelesen bekommen würden, verlosen wir gemeinsam ein Jahresabo – und die Sieger-Fantasie wird von femtasy als Hörgeschichte produziert.

Ich stell mir das irgendwie gerade als das romantischste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten vor. „Schatz, klick doch mal hier…“

femtasy hat genau wie Lvstprinzip das Ziel, Sexualität in all ihren Facetten abzubilden, ohne einen Bereich auszuklammern. Wo derzeit noch so´n bisschen Mangelware ist: Fetisch-Geschichten. Also, erzählt doch mal, Boys and Girls and everybody else. Wir sind ganz Ohr!

Bevor du jetzt das Tippen beginnst, achte während des Schreibens auf die folgenden
Punkte, damit deine Fantasie eine femtasy werden kann:

 – Aus der Ich-Perspektive der Hörerin oder Ich-Perspektive des Spielpartners/-
partnerin schreiben
–  Textlänge unter 1.000 Wörter
 – Detailreiche Darstellung, damit die Hörerin sich gut in die Geschichte
hineinversetzten können
–  Bitte im hier und jetzt schreiben
–  Keine wörtliche Rede (Dialoge), außer die der Ich-Perspektive
– Bitte achte in der Geschichte auf das Einverständnis beider Sexpartner
–  Keine optische Beschreibung des Aussehens der Protagonisten ( Haarlänge, große oder kleine Brüste) ansonsten darf alles so sein und benannt
werden, wie du es möchtest

Wir freuen uns auf eure Fantasien! Wer femtasy mal ausprobieren möchte, kann mit dem Gutschein-Code lvstprinzip50 im ersten Monat 50% sparen.

Entstanden in freundlicher Kooperation mit femtasy

Titelfoto: Aaron Tsuru (c) Tsurufoto.com

Hallo, ich bin Theresa und ich mag Sex! Deswegen habe ich Lvstprinzip gegründet.

3 Kommentare

  • Antworten November 16, 2018

    Indie

    Wow, wie gut ist die Idee bitte! Mich hat noch kein Test eines Spielzeugs dazu gebracht es mir nachzukaufen, aber hier bin ich jetzt echt am überlegen mir mal einen Monat zu gönnen.

    • Antworten November 17, 2018

      Theresa

      Gönn Dir! Für 5 Euro zum halben Preis ist ja nicht viel rum ;)

  • Antworten November 18, 2018

    IMHO

    Du hast mich jetzt echt verunsichert, aber glücklicherweise sind wir ja nicht mehr auf das jugendfreie dreibändige Familienlexikon angewiesen, sondern haben Internet : “… oder mein imaginärer Ehemann dabei zusehen muss, wie der Cuckold Dinge mit mir anstellt, die er sich niemals trauen würde …”

    Üblicherweise wird nämlich nicht der “Spielmann” als Cuckold bezeichnet, sondern eben der “gehörnte” (und ggf. trotzdem bestimmende und steuernde) Partner, also der selbstgewollt Beobachtende (in welcher Form auch immer er beobachten mag). Aber die Phantasie selbst ist ja nicht von der korrekten Vokabel abhängig, solange man sie nicht kommunizieren muss.

    Die Idee mit dem wichtigsten Sexorgan zwischen den Ohren ist jetzt nicht wirklich neu, auch nicht für Männer. Insofern finde ich, anregende Geschichten sollten nie zu explizit sein, um Raum zu lassen für ein ständig wechselndes Bild im Bild, für die wildesten Schnitte des Films im Film, for … a dream within a dream … this ecstasy, in itself … of a character supernal to the human nature.

    Sicher ist nicht schwer herauszufinden, aus wessen Randnotizen ich das geklaut habe. Meine Phantasie ist, dass der Autor die wirklich gemeinten Phantasien nie hätte offen nennen dürfen – das macht den Reiz und Raum beim Rezipieren aus. Vielleicht doch einen beabsichtigten?

    Weiter zu den Fetischen, in deren Kontext ich diese Randnotizen [M150] gerne zitiere: Deren Wesen ist nun mal meist, sehr elaboriert zu sein, also sehr explizit und sehr detailliert beschrieben werden zu wollen – auch wenn es für manche simple Buzzwords gibt. Allein darauf zu reagieren, finden die meisten Fetischisten aber unter ihrer Würde, denn das wäre ja gewissermaßen die Abstraktion einer Abstraktion, die Reduktion eines Symbols auf ein Symbol, schlimmstenfalls der Ersatz eines Surrogates durch ein Surrogat. Als würde man, pawlowschen Hunden ähnlich, schon auf das Läuten eines Glöckchens hin in Wallung geraten…

    Mir ist bisher noch keine Fetisch- (oder BDSM-) Story untergekommen, bei der man nicht mittendrin mit dem Lesen hätte aufhören oder weite Teile hätte überspringen müssen, um Raum genug zu haben…

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