Warum ich Feminist bin – ein Text von Sam

“Ich bin stolz darauf, Feminist zu sein!” So in etwa steht das in meinem Tinder Profil. Einen wirklichen Durchbruch habe ich damit nicht erzielt. Zum einen, weil ich Tinder da schon längst nicht mehr nutzen musste. Zum anderen weil…naja ihr kennt ja Tinder.

Es ging mir auch nicht darum, das als Masche zu verkaufen und mich von der Masse abzusetzen. Ich wollte ein Zeichen setzen. Das Feminismus eigentlich eine ziemlich coole Sache sein kann. Es ist traurig, dass es in unserer heutigen Zeit noch immer einen Kampf um Gleichberechtigung gibt. Aber das ist nun mal der Stand der Dinge, also nehmen wir uns dem Thema an und kämpfen dafür.

Ich bin da nicht durch Zufall reingerutscht. Ich habe eine wunderbare Frau kennen gelernt, die ich mittlerweile bald zwei Jahre meine Partnerin nennen darf. Pünktlich zur #metoo Debatte, es hätte also keinen besseren Zeitpunkt dafür geben können, um sofort voll einzusteigen.

Sie beschrieb sich also gleich zu Beginn als bekennende Feministin und in den ersten Monaten unseres Kennenlernens prägte der Satz “sexistische Kackscheisse” desöfteren unseren Whatsapp Verlauf. Dann, wenn ich eine Äußerung tätigte, die zwar nicht frauenverachtend war, aber durchaus gewisse stereotypische Verhaltensweisen meinerseits aufzeigte. Was tut man also, um solche Situationen zu vermeiden? Man lernt nachzudenken. Sätze die man aussprechen will zu hinterfragen. Man wägt ab: Ist das, was ich da sage korrekt? Oder entspricht es irgendeinem Klischee, von dem ich seit Jahren geprägt bin?

Ich hab den Feminismus und jene, die dafür kämpfen nie als Feinde betrachtet. Aber er war lange Zeit geprägt von Alice Schwarzer in irgendwelchen Talkshows. Nichts für ungut Alice, und danke für alles, was du bisher getan hast. Aber um die breite Masse zu überzeugen bedarf es zeitgemäßeren Vorbildern. Der Lvstprinzip Blog den meine Partnerin mir empfahl, sprach mich da schon eher an. Margarete Stokowski hat in ihrer Spiegel Kolumne eine Art zu argumentieren, die ich selbst nicht immer für gut empfinde, aber ich schätze diese Frau für ihr Engagement.

Wenn ich also nach zwei Jahren ein Fazit ziehen müsste und anderen Männern da draussen einen Rat geben würde, wie würde das aussehen? Erst mal ist da die Erkenntnis, dass es gar nicht soviel Zeit und Mühe braucht, um Menschen für ein Thema zu sensibilisieren.

Mittlerweile bin ich derjenige, der ab und an “sexistische Kackscheisse” in den Whatsapp Verlauf tippt, weil meine Partnerin mit einer Äußerung so richtig daneben lag.

Ein anderes Beispiel: Vor kurzem habe ich zum wiederholten Male eine meiner Lieblingsserien hervorgekramt. Es handelt von vier Freunden, die in Hollywood als Schauspieler ganz nach oben klettern. Ich hätte ein Trinkspiel daraus machen können, und wäre jeden Tag stockbesoffen gewesen, wenn ich für jeden sexistisch/homophonen Kommentar einen Kurzen getrunken hätte. Ich hab die Serie zum fünften Mal mal gesehen, aber erst die Sensibilisierung durch meine Partnerin und den Aufschrei in der Gesellschaft haben dafür gesorgt, mir die Augen zu öffnen.

Weil ich eben nicht zur Sorte Männer gehöre, die Frauen ungefragt anfassen, sexuell belästigen oder unterdrücken. Das mag daran liegen, dass ich die Hälfte meiner Schulzeit in fast reinen Frauenklassen verbracht habe, was ich mittlerweile jedem Heranwachsenden empfehlen würde. Denn man lernt zuzuhören, erfährt was Frauen gut finden und was nicht . Und bei all den Erzählungen über das Fehlverhalten anderer Männer lernt man sehr schnell, sich dort nicht einzureihen, sondern es besser zu machen.

Auch ich hatte in den letzten zwei Jahren damit zu kämpfen, dass ich aufgrund meines Geschlechts mit all den anderen über einen Kamm geschoren wurde. Lange Zeit war mein Impuls, mich dann zu verteidigen, zu rechtfertigen, mich zu hinterfragen, war ich denn jemals Teil davon? Bisher nicht. Zumindest ist mir kein Vorfall bekannt und ich habe lange und oft darüber gegrübelt.

Aber ich habe gelernt, wieso man nicht mehr differenziert hat. Zwischen den “guten” und den “schlechten” Männern. Weil die dafür Energie nicht ausreicht. Weil es anders nicht mehr funktioniert hätte. Du kannst dich als Frau (und auch als Mann) nicht auch noch darum bemühen auf jene zu achten, die davon vielleicht unbetroffen sind. Es gibt einfach zuviele da draussen, denen der Aufschrei tatsächlich gilt. Darüber hinaus sollte er aber auch die Unbetroffenen ansprechen. Sie ermutigen, ihren Teil dafür zu leisten. Gemeinsam mit und für Frauen eintreten, denen Missstände widerfahren.

Und wer sich als Mann heute noch darüber beschwert, dass er da mit reingezogen wird obwohl er sich nichts vorzuwerfen hat, dem möchte ich folgendes sagen: Reiss dich zusammen. Setz deinen Arsch in Bewegung und tu etwas dagegen. Sei stolz darauf, nicht zu denen zu gehören, aber nutze das Privileg um zu helfen. Dich mit einzusetzen, andere zurecht zu weisen. Sei ein Teil der Bewegung und setz dich nicht weiterhin ins gemachte Nest.”

Denn ich glaube, erst wenn wir Männer anfangen mit aufzustehen und uns gegen die zu wehren, die uns da mit reinziehen wollen, können wir es vielleicht schaffen, dass diese Welt irgendwann tatsächlich gleichbereichtigt sein kann.

Text (c) Sam

Bild (c) Scoop.Io

Hallo, ich bin Theresa und ich mag Sex! Deswegen habe ich Lvstprinzip gegründet.

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